Heidelberger Druckmaschinen – Transformation als Daueraufgabe

Der VDHC-Rat für die Praxis

Der VDHCBest Practice-Rat für Sie: Wenn sich die Märkte Ihrer Kunden verändern, muss sich auch Ihr eigenes Unternehmen verändern.

Verlassen Sie sich nicht allein auf ein erfolgreiches Kerngeschäft, sondern nutzen Sie vorhandenes Know-how gezielt für neue Anwendungen, Services und Geschäftsfelder. Dabei muss nicht alles selbst entwickelt und produziert werden: Kooperationen, Zukäufe und starke Partner können den Wandel deutlich beschleunigen.

Entscheidend ist jedoch: Transformation gelingt selten mit dem „einen großen Wurf“. Erfolgreiche Unternehmen entwickeln sich Schritt für Schritt weiter – und hören damit nie auf.

Das Beispiel Heidelberger Druckmaschinen

Der Traditionskonzern wandelt sich vom Maschinenbauer zum Automatisierungs- und Technologieunternehmen.

Die Digitalisierung macht neue Services möglich

Neue Techniken wie Digitaldruck spielen in der Forschung und Entwicklung von Heidelberger eine wichtige Rolle. Der weltweite Markt für Gedrucktes gilt als stabil. In den Schwellenländern wächst das Gesamtvolumen sogar. In den Industrieländern verdrängen zwar Onlinemedien klassische Drucksachen wie Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren und Flyer, doch legt dort das Geschäft mit dem Verpackungs- und Etikettendruck deutlich zu. Allerdings bauen auch Konkurrenten Digitaldruckmaschinen, zudem investieren bislang nur wenige Kunden in die teure Technik. Zwar ist Heidelberger mit einem Marktanteil von 45 Prozent nach wie vor die Nummer eins im Offsetdruck. Aber dieses Geschäft wächst nicht mehr, weil dank der Leistungssteigerungen mittlerweile eine Maschine so viel drucken kann wie früher zwei.

Heidelberger kooperiert mittlerweile mit Herstellern in aller Welt. Was Kunden brauchen und das Unternehmen nicht selbst herstellen kann, wie etwa Chemikalien, Lackiersysteme oder Klebebinder für das Verarbeiten von Drucksachen, kauft man bei Partnerfirmen ein. Manche Produkte entwickelt Heideldruck selbst, lässt sie aber anderswo produzieren. Dazu zählt Tinte für den Digitaldruck, die für die Qualität entscheidend ist – und mit guter Marge zu verkaufen. Außerdem übernimmt das Traditionsunternehmen immer wieder Firmen, um sich neue Kompetenzen ins Haus zu holen, jüngst eine kleine Softwarefirma.

Neue Felder identifiziert

„Wir wollen Heidelberg schrittweise zu einem Automatisierungs- und Technologieunternehmen transformieren, das immer noch die besten Druckmaschinen baut“, erklärte CEO Hundsdörfer jüngst in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Zwar steige generell das Druckvolumen auf der Welt. Dafür benötige man jedoch immer weniger von den produktiver werdenden Maschinen. „Wir sehen vor allem im Verpackungsdruck Chancen – während andere Segmente langfristig rückläufig in der Tendenz sind und wir uns nicht umsonst schon zum dritten Mal im größeren Stil sanieren mussten“, findet Hundsdörfer klare Worte. Deswegen habe man die Märkte des Konzerns neu sortiert.

Dabei gibt es drei Segmente. Als Erstes mit Print Solutions den klassischen Werbedruck wie Bücher, Prospekte, Kalender und Visitenkarten. Dies sei immer noch ein Milliardengeschäft, womit man gut Profit erwirtschafte. Zweites Geschäftsfeld ist der Verpackungsdruck. Der Bedarf wachse global etwa im Tempo der Wirtschaftsleistung. Um Heidelberg langfristig noch größeres Wachstum zu ermöglichen, habe man neue Felder identifiziert, so der Konzernchef, in denen die Mitarbeiter ihr Know-how einbringen können. Dazu gibt es die dritte Einheit: Technology Solutions, die sich den Zukunftsthemen E-Mobilität, gedruckte Elektronik und der cloudbasierten offenen Plattform der Druckindustrie „Zaikio“ widmen soll.

Neue Wege mit gedruckter Elektronik

Gedruckte Elektronik bezeichnet elektronische Bauelemente und Anwendungen, die vollständig oder teilweise per Druckverfahren hergestellt werden. Anstelle der Druckfarben werden elektronische Funktionsmaterialien verdruckt – in flüssiger oder pastöser Form. Bauteile, die zu gedruckter Elektronik gehören, sind zum Beispiel spezielle Leiterbahnen und Elektrodenstrukturen, Batterien, Sensoren, Heizelemente, modernen Antennen und Transistoren. So lassen sich Schaltkreise per Druck um einiges günstiger und einfacher herstellen. Heidelberg hat mit der industriellen Produktion von sensorbestückten Funktionsfolien ein neues digitales Geschäftsmodell geschaffen. Jeder Quadratmeter Folie ist mit bis zu einer Million Sensoren bestückt, die kleinste Druck-, Temperatur- oder Feuchtigkeitsveränderungen registrieren und an den Computer melden.

Kulturwandel im Unternehmen vollzogen

„Wandelt sich der Markt des Kunden, dann muss ich mich als Hersteller ebenfalls wandeln“, sagt Hundsdörfer. „Darin liegt das eigentlich Schwierige.“ Technik und Tempo schön und gut, aber bei der Umstrukturierung eines Unternehmens brauche es Geduld. „Es gibt nicht einen großen goldenen Hebel, den der Vorstandschef findet und umlegt“, verkündete er an seinem ersten Arbeitstag in Heidelberg. „Es ist kleinteilige Arbeit, Schritt für Schritt. Und damit dürfen wir nie aufhören. Erfolgreiche Unternehmen lehnen sich nie zurück. Die sind immer auf den Zehenspitzen und kämpfen jeden Tag.“

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